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Interview: Wenn ein Virus die Camping-Industrie lahmlegt

26. Mar. 2020 I Autor: Hagen Greifenthal I 837 mal gelesen
Interview: Wenn ein Virus die Camping-Industrie lahmlegt
Camping-Touristik in der Krise - Hier sind nicht nur Hersteller und Vertrieb gefährdet, sondern auch Plätze und Kunden

Die Corona-Krise legt die halbe Auto-Wirtschaft lahm - wie mag es da erst der sehr von guten Bedingungen abhängigen Camping-Industrie gehen? Hier sind nicht nur Hersteller und Händler betroffen, sondern auch die Kunden. Verreisen ist gerade ein No-Go - und selbt wenn, wohin? Reiseverbote, Produktion heruntergefahren, Caravans und Wohnmobile stehen. Das trifft die Branche hart, auch wenn die Zeichen langfristig wieder Entspannung signalisieren. Reporter Michael Kirchberger sprach darüber mit Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verband Deutschland (CIVD).

Covid-19 nimmt Europa zunehmend den Atem. Wie stark ist die Caravaning-Branche betroffen?

Daniel Onggowinarso: Die Corona-Epidemie trifft die Caravaningbranche stark und auf vielfältige Weise. Zum einen sind derzeit touristische Reisen untersagt, das betrifft unmittelbar die Caravaning-Urlauber aber natürlich auch die Camping- und Stellplatzbetreiber sowie die Vermieter von Freizeitfahrzeugen. Zudem trifft die Corona-Epidemie die Fahrzeughersteller und Zulieferer.



Haben die Hersteller ihre Produktion eingestellt?

DG: Die meisten deutschen Hersteller haben ihre Produktion vorübergehend gedrosselt oder eingestellt - vorrangig zum Schutz der Belegschaft vor einer Ansteckung oder aus geringerer Mitarbeiterverfügbarkeit, weil diese beispielsweise schulpflichtige Kinder betreuen müssen. Die meisten anderen Werke werden voraussichtlich in den kommenden Tagen folgen.

Verkauf und Beratung verboten, aber Auslieferung und Service ok

Funktioniert der Handel noch? Können erklärungsbedürftige Fahrzeuge wie Reisemobile oder Caravans überhaupt noch an Kunden ausgeliefert werden?

DG: Der Verkauf von Fahrzeugen ist derzeit untersagt. Allerdings sehen wir die Auslieferung von Fahrzeugen an Kunden als Dienstleistung an, da es sich hier lediglich um den Vollzug bereits abgeschlossener Geschäfte handelt und keine Beratung oder Verkaufsverhandlung stattfinden. Da es nicht zu einer Begegnung von Menschen kommt, die eine vermeidbare Infektionsgefahr darstellt, sollte die Auslieferung, anders als der Verkauf, weiterhin zulässig sein. Diese Auffassung wird von Vertretern der Automobilbranche geteilt und entspricht einer vorläufigen Einschätzung des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums.

Wie steht es mit Wartungsarbeiten an Fahrzeugen oder bei den Terminen zur Hauptuntersuchung?

DG: Der Betrieb der Werkstätten ist und bleibt weiterhin gestattet.



Gilt das Kontaktverbot auch für Camper? Für Manchen ist das Mobil doch das Zuhause.

DG: Camper sind davon nicht ausgenommen. Die von Bund und Ländern beschlossenen Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus sind unbedingt zu befolgen.

Wie ist die Stellplatz-Situation? Sind Campingplätze noch geöffnet?

DG: Die Bundesregierung und die Regierungen der Bundesländer haben beschlossen, das touristische Reisen vorübergehend gänzlich untersagt sind. Das betrifft sowohl Camping- als auch Reisemobilstellplätze. Detaillierte Infos hierzu finden sich unter der Adresse [ REISEMOBIL-STELLPLATZ.INFO ].

Wie kulant werden Stornierungen von Mietfahrzeugen behandelt?

DG: Die Vermieter lassen grösstmögliche Kulanz walten. Dort, wo nicht kostenlos storniert werden kann, gibt es in der Regel Gutschriften für spätere Reisen. Details sind bei den einzelnen Anbietern zu erfahren.

Auftragsbücher bei den Herstellern sind jetzt noch gut gefüllt

Welche Auswirkung wird die Pandemie auf die Zukunft der Branche haben?

DG: Wir kommen aus ausserordentlichen Wachstumsjahren. Die Gründe für den Trend zum Caravaning sind langfristiger und nachhaltiger Art. Die Auftragsbücher der meisten Hersteller sind noch auf Monate hin gefüllt. Der Kauf eines Freizeitfahrzeuges ist immer eine langfristig angelegte Investition und Commitment. Für viele unserer Kunden ist dies die Erfüllung eines lang gehegten Traumes, auf den sie lange hin geplant und gespart haben. Kurzfristig dürfte es zu gewissen Verschiebungen kommen, aber wir gehen nicht von einem langfristig und nachhaltig sinkendem Interesse an Reisemobilen und Caravans aus – vor allem auch in Anbetracht fehlender Reisealternativen.



Wird die Messe "Caravan Salon" Ende August stattfinden?

DG: Der Caravan Salon findet wie geplant statt. Es gibt keine Absicht, die Messe abzusagen oder zu verschieben. Die Messe Düsseldorf und der CIVD werden rechtzeitig in Abstimmung mit den Behörden die Lage erneut bewerten und verantwortungsvoll entscheiden.

hs/greifenthal/ampnet/kirchberger | Fotos: CIVD, Bimobil, Pxhere


 

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